Dürfen homosexuelle Paare Kinder adoptieren?

Der Wunsch nach einem Kind kommt natürlich nicht nur in heterosexuellen, sondern ebenfalls in homosexuellen Partnerschaften auf. Doch ist es schwulen Paaren aus gesetzlicher Sicht überhaupt erlaubt, ein Kind zu adoptieren?

Warum nicht Vater, Vater und Kind?

Eine „übliche“ Familie besteht aus Vater, Mutter und Kind beziehungsweise Kinder. Doch warum sollte eine Familie nicht auch aus zwei Vätern und dem Nachwuchs bestehen? Während es in früheren Zeiten undenkbar gewesen ist, dass ein schwules Paar gemeinsam Kinder großzieht, hat sich die allgemeine Denkweise zu diesem Thema jedoch mittlerweile geändert. So kommen hier neben den negativen Stimmen immer mehr positive Meinungen auf. Während die Kritiker die Meinung vertreten, dass zwei Väter eine „unnatürliche“ Konstellation darstellen und ein Kind einen Anspruch auf eine Mutter hat, sehen die Fürsprecher überhaupt kein Problem darin, warum es schwulen Paaren verweigert werden sollte, ein Kind zu adoptieren.

Wie sieht die Rechtslage in Deutschland aus?

Innerhalb von Deutschland ist es eingetragenen Lebenspartnerschaften erlaubt, das leibliche Kind des Partners zu adoptieren. Bringt also Dein Partner ein Kind in Eure Lebenspartnerschaft mit und ist dessen Mutter beispielsweise einverstanden oder verstorben, dann hast Du durchaus das Recht, das Kind Deines Partners zu adoptieren. Ganz anders sieht es dagegen mit der Adoption von fremden Kindern aus: diese ist schwulen Paaren derzeit in Deutschland komplett untersagt. Allerdings setzen sich Schwule und Lesben immens dafür ein, dass das volle Adoptionsrecht auch für sie gelten sollte.

Wie ist die Rechtslage in Österreich?

Doch nicht überall sieht die Rechtslage für Schwule so aus, wie es im Moment in Deutschland der Fall ist. Seit dem Jahre 2013 ist es schwulen Paaren zum Beispiel auch in Österreich erlaubt, die leiblichen Kinder des eigenen Partners zu adoptieren. Die Fremd-Adoption war auch dort noch einige Zeit verboten. Doch mittlerweile hat sich hier einiges getan: So wurde das Gesetz, dass die Adoption durch schwule Paare regelt, hier nicht nur geändert, sondern ganz einfach aufgehoben. So beschloss das Justizministerium in Österreich, dass eine Änderung überhaupt nicht vonnöten sei. Der Hintergrund hierfür: Adoptionen müssen sowieso immer auf den jeweiligen Einzelfall hin überprüft werden. Außerdem ist hierfür eine pflegschaftsgerichtliche Genehmigung notwendig. Dazu kommt, dass bei einer Adoption von minderjährigen Kindern sowieso immer das Jugendwohlfahrt eingeschaltet werden muss, dass die jeweilige Adoption im Einzelfall beurteilt und zwar im Hinblick auf das Kindeswohl. Das bedeutet, dass in Österreich seit dem Jahre 2016 somit sämtliche Paare in Bezug auf eine Kindes-Adoption vor dem hiesigen Gesetz gleichgestellt wurden. Das Geschlecht der beiden Partner spielt hier somit überhaupt keine Rolle mehr.

Was bei einem Adoptions-Wunsch tun?

Wenn Du mit Deinem Partner ein Kind adoptieren möchtest und in ihr beispielsweise in Österreich wohnt, ist die Adoption an sich somit aus gesetzlicher Sicht kein Problem. Dabei ist es irrelevant, ob es sich um das Kind Deines Partners oder um ein fremdes Kind handelt. Hier durchlauft Ihr denselben Prozess, den heterosexuelle Paare bei einer Kindes-Adoption beschreiten. Dabei gilt immer, dass im Einzelfall entschieden wird, ob eine Adoption zustande kommt oder auch nicht. Lebt Ihr dagegen innerhalb von Deutschland, dann ist die Adoption eines fremden Kindes nicht möglich. Du kannst hier somit „nur“ das Kind Deines Partners adoptieren. Sollte Euer Adoptionswunsch jedoch sehr groß sein, dann kann es sich unter Umständen lohnen, zu überlegen, ob Ihr nicht vielleicht nach Österreich zieht. Allerdings solltet Ihr hier unbedingt bedenken, dass Ihr dort Beide „neu“ anfangt, also zum Beispiel eine Arbeitsstelle und Wohnung suchen müsst. Auch Familie und Freunde werden dann nicht mehr so leicht/schnell besucht werden können.

Wie gestaltet sich der Alltag mit Kind?

Sobald Ihr alle Formalitäten bezüglich der Adoption geregelt habt, tritt bei Euch langsam aber sicher der Alltag mit Kind ein. Dieser gestaltet sich ebenso wie bei heterosexuellen Paaren, sodass hier kaum beziehungsweise keine Unterschiede zu erwarten sind. Allerdings solltet Ihr Euch natürlich bereits im Vorfeld darüber informieren, wie der tägliche Ablauf aussehen soll. Geht Ihr beispielsweise beide einem Vollzeit-Job nach dann muss abgeklärt werden, ob das Kind tagsüber vielleicht bei Oma und Opa, einer Tante beziehungsweise einem Onkel bleiben kann. Als Alternative hierzu bietet sich aber auch eine Kindertagesstätte an. Natürlich könnt Ihr es aber auch so handhaben, dass nur einer von Euch in Vollzeit und der andere in Teilzeit arbeitet. Wenn es für Euch Beide in Ordnung ist, spricht natürlich ebenfalls nichts dagegen, dass ein Vater komplett zu Hause bleibt. Somit existieren hier vielfältige Möglichkeiten, wodurch Ihr sicherlich eine passende Lösung für Euch finden werdet.

Was ist, wenn das Kind nach seiner Mutter gefragt wird?

Irgendwann wird der Zeitpunkt kommen, dass das Kind nach seiner Mutter gefragt wird. Spätestens im Schulalter, wenn nicht sogar bereits im Kindergarten, ist das sicherlich der Fall. Sollte das Kind bei der Adoption noch sehr klein gewesen sein, wird es zudem irgendwann selbst einmal nachfragen, wo seine Mutter ist und warum es zwei Väter hat. Hier solltet Ihr nicht lügen, sondern am besten in einfachen Worten verständlich erklären, wo seine Mutter ist und dass Ihr Beide Euch ein Kind gewünscht und ihn beziehungsweise sie adoptiert ist. Älteren Kindern ist das natürlich bereits klar. Hier ist eine sehr einfache Erklärung beispielsweise, dass es statt Vater und Mutter eben zwei Väter hat. Das kann unter Umständen bei den Freunden des Kindes zunächst einmal für erstaunen sorgen aber in der Regel legt sich das nach einiger Zeit, sodass es eben normal ist, dass das Kind Pkann-ich-etwas-gegen-schwul-sein-tunapa X und Papa Y hat. Sollten dagegen irgendwelche negativen Kommentare von den anderen Eltern kommen, dann ist es am besten, wenn Ihr diese einmal direkt darauf ansprecht. So ein Gespräch kann beispielsweise ganz zwanglos ablaufen, wenn die Kinder vom Kindergarten oder der Schule abgeholt werden. Auf diese Weise läuft das Zusammentreffen zwanglos ab und die anderen Mamas/Papas erkennen schnell, dass Ihr ebenfalls ganz normale Menschen seid. Das gilt nebenbei auch für Erzieher und Lehrer: oft hilft bereits ein kurzes Gespräch und schon sind alle Ungereimtheiten geklärt. Regt Euch am besten nicht allzu sehr darüber auf, wenn Kritik aufkommt, sondern versucht, diese aus der Welt zu schaffen. Natürlich gibt es aber auch noch die Eltern, denen es absolut nichts ausmacht, dass Ihr Kind mit einem anderen Kind befreundet ist, das schwule Eltern hat.

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